Buchtipps der Städtli-Bibliothek

 

Aktueller Buchtipp:

Buchcover: Du bist in einer Luft mit mir

Du bist in einer Luft mit mir

Dimitri und Viktor wachsen in Miroslaw auf, wo Pferdemistinseln die schlammige Hauptstrasse zieren. Das kyrillische Abc lernen sie beim alten Diakon. Nach ihrer Studienzeit in Moskau hocken sie, nun Lehrer und Ingenieur und beide Nachwuchs erwartend, im Abstellraum des Schulhauses und gönnen sich täglich eine Partie Schach. Nur über die Revolution sind sie geteilter Meinung, und als Dimitri eines Tages das Leninporträt in hohem Bogen aus dem Fenster des Klassenzimmers wirft, wird sein Freund gegen ihn aussagen.
Dieses Verhängnis können die Kinder, Kirill und Sascha, die später wie Brüder sind und sich kleiden wie ihr Lieblingsdichter Puschkin, nur erahnen. Aber einem von ihnen verdanken wir diese ironische wie geistreiche doppelte Familiensaga, die spielerisch zwischen der Zarenzeit, der russischen Revolution und dem »grauen Niedergang der grossen Ideale« hin- und herspringt.

Ruska Jorjoliani: Du bist in einer Luft mit mir; Rotpunktverlag, 213 Seiten

Buchtipp publiziert am 14.03.2019


Bisherige Buchtipps:

Buchcover: Alle, ausser mir

Alle, ausser mir

Kennen Sie Ihren Vater und seine Vergangenheit? Wissen Sie, wer er wirklich ist? Die vierzigjährige Lehrerin Ilaria hätte diese Fragen mit »ja« beantwortet, und auch ihre Angehörigen glaubte sie zu kennen – bis eines Tages ein junger Afrikaner vor ihrer Wohnung in Rom auftaucht und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht: Attilio Profeti, das ist der Name ihres Vaters … Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben.
Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise ihrer schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen, die eng mit der italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in Äthiopien und Eritrea verbunden ist, bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten reicht und mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten verknüpft ist. Es entfaltet sich ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft.

Francesca Melandri: Alle, ausser mir, Wagenbach, 604 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.03.2019


Buchcover: Was uns kostbar ist

Was uns kostbar ist

Was der ahnungslose Student Ryad bei seinem Ferienjob in Algier vorfindet, ist ein geschichtsträchtiger, einzigartiger Ort: In der Buchhandlung, die er ausräumen soll, wirkte einst Edmond Charlot (1915–2004), der hier 1936 ein blühendes Zentrum der Bücher gründete, Bibliothek, Verlag und Treffpunkt in einem.
Charlot entdeckte literarische Grössen des 20. Jahrhunderts wie Albert Camus. Während des Zweiten Weltkriegs galt er als »der Verleger des freien Frankreichs«. Trotz politischem Druck, einer Inhaftierung unter dem Vichy-Regime und kriegsbedingtem Papiermangel engagierte er sich unermüdlich für die Literatur. Nach Kriegsende wirkte er in Paris, wo er in finanzielle Not geriet und seine Autoren an die grossen Verlage verlor. Doch den Buchladen in Algier gibt es bis heute.
Der jungen algerischen Autorin gelingt eine Hommage an die Literatur und einen herausragenden Förderer. Sie erzählt zudem von einem politisch und kulturell engverwobenen und zerrissenen Mittelmeerraum in einer turbulenten Zeit.

Kaouther Adimi: Was uns kostbar ist, Lenos, 224 Seiten

Buchtipp publiziert am 14.02.2019


Buchcover: Ida

Ida

Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts: Dora, das jüdische Mädchen mit der 'petite hystérie' und einer äusserst verschlungenen Familiengeschichte. Dora, die kaum achtzehn war, als sie es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden. Für Katharina Adler war die widerständige Patientin lange nicht mehr als eine Familien-Anekdote: ihre Urgrossmutter Ida, die zu Nachruhm kam, und dabei mal zum Opfer, mal zur Heldin stilisiert wurde.

Von ihr handelt dieser Roman. Katharina Adler erzählt die Geschichte einer Frau zwischen Welt- und Nervenkriegen, Exil und Erinnerung. „Ida“ ist ein Plädoyer für die Wahrheit der Empfindung und die Vielfalt ihrer Versionen, der Roman eines weitreichenden Lebens, das – mit Freuds Praxistür im Rücken – erst seinen Anfang nahm.

Katharina Adler: Ida, Rowohlt, 506 Seiten  

Buchtipp publiziert am 01.02.2019


Buchcover: Archipel

Archipel

Rosa kehrt auf die Insel Teneriffa und in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes zurück. Was sie sucht, weiss sie nicht genau. Doch für eine Weile sieht es so aus, als könnte sie es im Asilo, dem Altenheim von La Laguna, finden. Ausgerechnet dort, wo Julio noch mit über neunzig Jahren den Posten des Pförtners innehat. Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Julio ist Rosas Grossvater. Von der mütterlichen Seite. Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt.
In "Archipel" führt die Autorin rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, grosser Erwartungen und kleiner Siege. Es ist Julios Jahrhundert, das der grossen Namen und der Namenlosen. Es ist eine Geschichte über Herkunft, Familie und Verlust.

Inger-Maria Mahlke: Archipel, Rowohlt, 432 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.01.2019


Buchcover: Mittagsstunde

Mittagsstunde

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Grossmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Grossvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die grossen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen liess?
Mit grosser Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.

Dörte Hansen : Mittagsstunde, Penguin Verlag, 320 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.01.2019


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