Buchtipps der Städtli-Bibliothek

 

Aktueller Buchtipp:

Buchcover: Der verlorene Sohn

Der verlorene Sohn

Akhulgo, Nordkaukasus, 1839: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schliesslich muss er seinen erstgeborenen Sohn als Pfand für Friedensverhandlungen in die Hände der Russen geben. Jamalludin wird an den Hof des Zaren nach St. Petersburg gebracht. Bald schon ist der Junge hin - und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner Familie und den verlockenden Möglichkeiten, die sich ihm in der prächtigen Welt des Zaren bieten. Bei seiner Rückkehr in den Nordkaukasus nach15 Jahren muss er feststellen, dass er da nicht mehr zu Hause ist.

Olga Grjasnowa erzählt in ihrem historischen Roman von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht und seine Identität finden muss. Und von der verheerenden Wirkung eines Krieges, in dem es keine Sieger geben kann.   

Olga Grjasnowa: Der verlorene Sohn, Aufbau, 383 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.03.2021


Bisherige Buchtipps:

Buchcover: Ameisen unterm Brennglas

Ameisen unterm Brennglas

Eine Serie von Gewaltakten erschüttert die Schweiz. Die Medien schreiben den Taten sogleich verschiedenste terroristische Hintergründe zu. Auch die Bevölkerung versucht, sich einen Reim auf die Vorkommnisse zu machen, unter ihnen: Toni Manfredi, der in seiner Wohnung im achtzehnten Stock eines Hochhauses obsessiv Krippenfiguren schnitzt. Martin Boll, der immer mehr den Zugang zu seiner konsum- und smartphoneabhängigen Familie verliert. Regina, Mutter eines umherstreunenden Zehnjährigen, deren viele Ehrenämter sie zunehmend den Verstand kosten. Sie alle wünschen sich Halt und Stabilität, doch ihre Welt gerät immer mehr aus den Fugen. Darauf reagieren sie ganz unterschiedlich.

Ein brandaktuelles Psychogramm unserer Gesellschaft mit ihrem überbordendem Medienkonsum, ihren Kurzschlüssen und Ängsten – ein Roman über die Suche nach Halt in einer Welt, die wir nicht mehr verstehen.

Jens Steiner: Ameisen unterm Brennglas, Arche Verlag, 238 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.02.2021


Buchcover: Robinsons Tochter

Robinsons Tochter

England 1904 – das Waisenmädchen Polly, mit sechs Jahren schon eine Pflegefamilien-Veteranin, kommt zu ihren frommen Tanten in das gelbe Haus am Meer. Hier gibt es kaum Unterhaltung, aber es gibt Bücher, und lesend entwickelt sich Polly unbemerkt zu einer stillen, unbeugsamen Rebellin. Ein Buch liest sie immer wieder: "Robinson Crusoe" wird zu ihrem Kompass in jeder Lebenslage, sei es Klassendünkel, Judenhass oder ernüchterndes Liebesleben. Ihre eigene einsame Insel verlässt Polly Flint nie ganz. Doch am Ende ihres fast ein Jahrhundert umspannenden Lebens wird sie Liebe und Enttäuschung, Depression und rettende Freundschaft kennengelernt und ihre Bestimmung gefunden haben.

Ein grosser Roman voller hinter gepolsterten Türen verborgener Geheimnisse über das Leben einer zutiefst ungewöhnlichen Frau, die sich mittels Literatur emanzipiert. Einfühlsam, witzig und raffiniert erzählt.

Jane Gardam: Robinsons Tochter, Hanser, 317 Seiten

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Buchtipp publiziert am 01.02.2021


Buchcover: Die Marschallin

Die Marschallin

Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono, am Ende des Ersten Weltkriegs kennen. Sie folgt ihm nach Bari, wo sie, beide überzeugte Kommunisten, ein grossbürgerliches und doch politisch engagiertes Leben im Widerstand gegen den Faschismus Mussolinis führen. Zora ist herrisch, eindrucksvoll, temperamentvoll und begabt, eine Bewunderin Titos, dem sie Waffen zu liefern versucht und dem ihr Mann das Leben rettet. Sie will mehr sein, als sie kann, drückt allen in ihrer Umgebung ihren Stempel auf. Ihr Leben und das Leben ihrer Familie, ihrer Kinder und Enkelkinder, vollziehen sich in einer Zeit der Kriege und der Gewalt, erbitterter territorialer und ideologischer Kämpfe, die unsere Welt bis heute prägen.

«Die Marschallin» ist ein farbiger, lebenspraller, grosser Familienroman über eine unvergessliche Frau und ein tragisches Familienschicksal.

Zora del Buono: Die Marschallin, C.H.Beck, 382 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.01.2021


Buchcover: Das Jahr ohne Worte

Das Jahr ohne Worte

Alles beginnt mit einer grossen Liebe. "Sowohl als auch" heisst das Café in Prenzlauer Berg, in dem Syd Theo kennenlernt. Theo ist Filmemacher, alleinstehend, charismatisch. Syd weiss sofort, dass es die Art von Liebe ist, die sie vermutlich nur einmal erleben wird. Die beiden verlieben sich, bekommen ein Kind, ziehen zusammen, erleben grosses Glück und überstehen kleine Krisen. Doch dann erhält Theo eine niederschmetternde Diagnose: ALS. Die Krankheit, an der auch Stephen Hawking litt. Von dem Mann, in den Syd sich einst verliebt hat, ist Tag für Tag weniger übrig. Und doch kämpft sie um ihn. Sie will das, was von ihrem Glück noch übrig ist, unbedingt bewahren. Bis sie eines Tages eine ungeheuerliche Entdeckung macht, die beinahe ihr ganzes Leben zerstört…

Syd Atlas erzählt eine wahre Liebesgeschichte – ihre Geschichte, erschütternd, lustig, romantisch und weise.

Syd Atlas: Das Jahr ohne Worte, Wunderlich, 255 Seiten

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Buchtipp publiziert am 01.01.2021


Buchcover: Judith und Hamnet

Judith und Hamnet

Agnes sieht ihn und weiss: Das wird er sein. Dabei ist der schmächtige Lateinlehrer aus Stratford-upon-Avon noch nicht einmal achtzehn. Egal, besser, sie küsst ihn schnell. Besser, sie erwartet ein Kind, bevor ihr einer die Heirat verbieten kann. Vierzehn Jahre später sind es drei Kinder geworden. Doch wie sollen sie auskommen, solange ihr Mann wer weiss was mit diesen Theaterstücken treibt? Er ist in London, als der elfjährige Hamnet die Beulen am Hals seiner Zwillingsschwester Judith ertastet. Als Agnes im Blick ihres Sohnes den Schwarzen Tod erkennt.

In diesem herausragenden historischen Roman wird der bedeutendste aller Dramatiker als Liebenden und als Vater neu entdeckt. Vor allem aber erzählt O’Farrell von Shakespeare aus dem Blickwinkel seiner Frau und Kinder. Zum ersten Mal liest man die unvergessliche Geschichte seiner eigensinnigen, zärtlich kühnen Frau: Agnes.

Maggie O’Farrell: Judith und Hamnet, Piper, 416 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.12.2020


Buchcover: Das Leben ist ein wilder Garten

Das Leben ist ein wilder Garten

Das beschauliche Leben des Landschaftsgärtners Carlo gerät in Aufruhr. Seine Frau hat ihn verlassen, die Tochter studiert jetzt in London. Carlo wird durch einen Arbeitsunfall außer Gefecht gesetzt. Agon, sein Hilfsgärtner aus dem Kosovo, eine sensible Seele in einem massigen Körper, wird aus heiterem Himmel zusammengeschlagen. Genau in dieser Krise verschwindet Carlos leicht demente Mutter aus dem Altersheim. Gemeinsam mit Agon macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter, von der er nur ein sehr unvollständiges Bild hat. So kommt er in einem Grandhotel am Berg der ungeahnt glamourösen Vergangenheit seiner Mutter während des Zweiten Weltkriegs auf die Spur. Er erfährt auch, dass Agon eine dunkle Vergangenheit vom Balkankrieg mit sich herumträgt. Carlos Wahrnehmung von Menschen und Natur verändert sich …

Der Roman verzaubert mit seinem warmen Tonfall und den scharfsinnigen Reflexionen.

Roland Buti: Das Leben ist ein wilder Garten, Paul Zsolnay Verlag, 173 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.12.2020


Buchcover: Just like you

Just like you

Es ist das Jahr 2016. Lucy ist 42, Mutter zweier Jungs, Lehrerin, eher linksliberal und weiss. Sie lebt von ihrem Mann getrennt und findet, es sei Zeit für eine neue Beziehung. Joseph ist 22, Aushilfsmetzger, Fussballtrainer, Babysitter, hat seinen Platz noch nicht gefunden und ist dunkelhäutig. Die Abstimmung über den Brexit steht an, das Land ist in Unruhe, Lucy weiß nicht so recht, wie es weitergehen soll, Joseph träumt von einer Karriere als DJ - und dann ist sie da, die Liebe zwischen den beiden. Wie heisst es so schön: Gegensätze ziehen sich an… Die Frage ist, wie lange.

Nick Hornbys brillant beobachteter, zärtlicher und zugleich komischer neuer Roman bringt auf den Punkt, was es bedeutet, sich überraschend und kopfüber in den bestmöglichen Menschen zu verlieben. Und nebenbei hält der Autor der britischen Gesellschaft in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht den Spiegel vor.

Nick Hornby: Just like you, Kiepenheuer & Witsch, 381 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.11.2020


Buchcover: Kalmann

Kalmann

Der 33-jährige Kalmann, der von Geburt an anders ist, lebt im isländischen Raufarhöfn, einem verschlafenen Fischerdorf, alleine im Haus seines Großvaters, der ihm Jagen, Fischen und Lebensweisheiten beigebracht hat. Er ist der selbsternannte Sheriff des Ortes. Er hat alles im Griff. Kein Grund zur Sorge. Tag für Tag wandert er über die weiten Ebenen um das beinahe ausgestorbene Dorf, jagt Polarfüchse und legt Haiköder im Meer aus, um den Fang zu Gammelhai zu verarbeiten. Doch in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Als er eines Winters eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Die Polizei wirbelt den Ort mächtig auf und mit der Ruhe ist es vorbei. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet Kalmann alles zum Guten. Kein Grund zur Sorge.

Eine spannende Geschichte über einen etwas anderen Helden und eine Gesellschaft am Rande der Welt.

Joachim B. Schmidt: Kalmann, Diogenes, 352 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.11.2020


Buchcover: Ein Sonntag mit Elena

Ein Sonntag mit Elena

Einst reiste er als Ingenieur um die Welt und baute riesige Brücken. Nach dem Tod seiner Frau aber ist es still geworden in der Turiner Wohnung am Fluss. Sein Sohn lebt in Finnland, mit der jüngeren Tochter hat er keinen Kontakt, nur die älteste sieht er ab und zu mit ihrer Familie. An einem Sonntag kocht der ältere Mann ein traditionelles Mittagessen für sie. Doch sie sagt kurzfristig ab, weil die eine Enkelin einen Unfall hatte. Bei einem kurzen Spaziergang im nahen Park lernt er Elena kennen, die mit ihrem Sohn im Park spielt. Er lädt sie spontan zum Essen zu sich ein. Aus dieser zufälligen Begegnung entsteht eine wunderbare Freundschaft, die alle drei für immer verändern wird.

Fabio Geda schreibt über Familie, Lebenswege, Sprachlosigkeit der Generationen und Sehnsüchte der Menschen. Eine Geschichte voller Zuversicht und Wärme, die ein stilles Glück in den Herzen zurücklässt. 

Fabio Geda: Ein Sonntag mit Elena, hanserblau, 239 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.10.2020


Buchcover: Serpentinen

Serpentinen

Ein Vater unterwegs mit seinem Sohn. Ihre Reise führt zurück in das Hügelland, aus dem der Vater stammt, zu den Schauplätzen seiner Kindheit. Da ist das Geburtshaus, dort die elterliche Hochzeitskirche, hier der Friedhof, auf dem der Freund Frieder begraben liegt. Ständiger Reisebegleiter ist das Schicksal der männlichen Vorfahren, die sich allesamt das Leben nahmen: "Urgrossvater, Grossvater, Vater. Ertränkt, erschossen, erhängt." Der Vater muss erkennen, dass sein Wegzug, seine Bildung und sein Aufstieg keine Erlösung gebracht haben.
Vielleicht helfen die Rückkehr und das Erinnern. Doch warum bringt er seinen Jungen in Gefahr? Warum hat er keine Antwort auf dessen bange Frage: "Um was geht es?" Er weiss nur: Wer zurückfährt, muss alle Kurven noch einmal nehmen. Wenn er der dunklen Tradition ein Ende setzen will.
Genau, mutig und lang nachwirkend erzählt er vom Kampf eines Vaters gegen die Dämonen der Vergangenheit. Nur wenn er seinen Sohn so liebt, wie er selbst nie geliebt wurde, kann die Reise der beiden glücken.

Bov Bjerg: Serpentinen, Claassen, 272 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.10.2020


Buchcover: Dankbarkeiten

Dankbarkeiten

Michka, die stets ein unabhängiges Leben geführt hat, muss feststellen, dass sie nicht mehr allein leben kann. Geplagt von Albträumen glaubt sie ständig, wichtige Dinge zu verlieren. Tatsächlich verliert sie nach und nach Wörter, findet die richtigen nicht mehr und ersetzt sie durch ähnlich klingende. Die junge Marie, um die Michka sich oft gekümmert hat, bringt sie in einem Seniorenheim unter. Der alten Frau fällt es schwer, sich in der neuen Ordnung einzufinden. In hellen Momenten leidet sie unter dem Verlust ihrer Selbstständigkeit. Doch was Michka am meisten beschäftigt, ist die bisher vergebliche Suche nach einem Ehepaar, dem sie ihr Leben zu verdanken hat. Daher gibt Marie erneut eine Suchanzeige auf, und Michka hofft, ihre tiefe Dankbarkeit endlich übermitteln zu können.

Klarsichtig und scharfsinnig zeigt Delphine de Vigan, was uns am Ende bleibt: Zuneigung, Mitgefühl, Dankbarkeit.

Delphine de Vigan: Dankbarkeiten, DUMONT Verlag, 176 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.09.2020


Buchcover: Klara vergessen

Klara vergessen

Murmansk, nördlich des Polarkreises. Zum ersten Mal kehrt Juri, der längst als Ornithologe in Nordamerika lebt, in seine Heimat zurück. Sein Vater Rubin liegt im Sterben, lediglich das Rätsel um Juris Grossmutter Klara – eine Wissenschaftlerin zur Zeit Stalins, die vor den Augen des damals vierjährigen Rubin verhaftet wurde – hält ihn am Leben. Klaras Verschwinden und eine Jugend voller Entbehrungen haben aus Rubin einen unerbittlichen Fischer und hartherzigen Vater gemacht, der seinen ungeliebten Sohn nun in einem letzten Aufeinandertreffen um Hilfe bittet: Er soll herausfinden, was mit Klara passiert ist. Und schliesslich stösst Juri auf eine Wahrheit, die ihm vor Augen führt, wie eng alle drei Schicksale – sein eigenes, Klaras und Rubins – miteinander verknüpft sind …

Ein grosses menschliches Abenteuer und eine familiäre Spurensuche, voll von spektakulären Beschreibungen einer wilden Natur, packend erzählt von Bestsellerautorin Isabelle Autissier.

Isabelle Autissier: Klara vergessen, Mare, 304 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.09.2020


Buchcover: Ein Lied für die Vermissten

Ein Lied für die Vermissten

Als 2011 der Arabische Frühling voll entfacht ist, löst der Fund zweier Leichen auch in Beirut erste Unruhen aus. Während schon Häuser brennen, schreibt Amin seine Erinnerungen nieder: an das Jahr 1994, als er als Jugendlicher mit seiner Grossmutter in den Libanon zurückkehrte – zwölf Jahre nach dem Tod seiner Eltern. An seine Freundschaft mit dem gleichaltrigen Jafar, mit dem er diese verschwiegene Nachkriegswelt durchstreifte. Und daran, wie er schmerzhaft lernen musste, dass es in diesem Land nie Gewissheit geben wird – weder über die Vergangenheit seines Freundes, noch über die Geschichte seiner Familie.

Jarawans Roman führt in eine Welt voller unvergesslicher Figuren, sinnlicher Eindrücke und Emotionen, einfühlsam, spannend und virtuos verknüpft mit dem Leben in den unterschiedlichen Kulturen und der bewegten Geschichte des Nahen Ostens.

Pierre Jarawan: Ein Lied für die Vermissten, Berlin Verlag, 464 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.08.2020


Buchcover: Der Wal und das Ende der Welt

Der Wal und das Ende der Welt

Ein kleiner Ort in Cornwall und eine grosse Geschichte über die Menschlichkeit im Angesicht einer alles bedrohenden Krise. Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

John Ironmonger erzählt eine mitreissende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Zusammenhänge unserer globalisierten Welt? Und wie können wir handeln, wenn alles auf dem Spiel steht?

John Ironmonger: Der Wal und das Ende der Welt, S. Fischer, 480 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.08.2020


Buchcover: Rote Kreuze

Rote Kreuze

Die über neunzigjährige Tatjana Alexejewna leidet an Alzheimer und lebt in einer Mietskaserne in der weissrussischen Hauptstadt Minsk. Sie erzählt ihrem Nachbarn, dem dreissigjährigen Alexander, ihre Lebensgeschichte.Tatjana hatte während des Zweiten Weltkriegs als Sekretärin im sowjetischen Aussenministerium Kenntnis von den Bemühungen des Roten Kreuzes in Genf, sowjetische und deutsche Kriegsgefangene auszutauschen.

Die Sowjetregierung lehnte dies stets ab. Dieses Wissen wurde Tatjana nach dem Krieg zum Verhängnis: Sie geriet ins Visier der stalinistischen Terrormaschinerie. Mehr und mehr zeigt sich, dass zwischen Tatjana und dem viel jüngeren Alexander eine Seelenverwandtschaft besteht: Auch ihn quälen leidvolle Erinnerungen.

Sasha Filipenkos Roman ist ein subtiles Werk über den Umgang mit unbewältigten Traumata und den Kampf gegen das Verdrängen der Geschichte – und ist
hochaktuell.

Sasha Filipenko: Rote Kreuze, Diogenes, 288 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.07.2020


Buchcover: Wie wir gehen

Wie wir gehen

Mona steht mitten im Leben. Von Pierre hat sie sich getrennt, ihre Tochter Noëlle geht zunehmend eigene Wege. Ganz am Anfang hingegen ist die Beziehung zu ihrem Vater Johannes. Sie möchte ihrem kranken Vater näherkommen. Doch die Leere zwischen ihnen macht sie einander fremd. Daher bittet sie ihn, seine Geschichte auf ein Diktiergerät zu sprechen. Mit präziser Erzählkunst wird ein weiter Bogen gespannt, von Johannes‘ Kindheit, in der er als Verdingbub auf dem Bauernhof seines Onkels schuftet, bis in die Gegenwart, in der seine Tochter sich ihm behutsam annähert.

Andreas Neeser erzählt davon, was Söhne und Töchter mit ihren Vätern verbindet – und was sie voneinander trennt. Dabei spürt er dem widersprüchlichen Streben nach echter Zugehörigkeit nach.

Ein feinsinniger Familien- und Generationenroman: leise und voll poetischer Kraft.

Andreas Neeser: Wie wir gehen, Haymon, 216 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.07.2020


Buchcover: Das Haus der Frauen

Das Haus der Frauen

In Paris steht ein Haus, das allen Frauen dieser Welt Zuflucht bietet. Auch der erfolgreichen Anwältin Solène, die nach einem Zusammenbruch ihr Leben in Frage stellt. Sie versucht dort, wieder Fuß zu fassen: Im »Haus der Frauen« schreibt sie ehrenamtlich im Auftrag der Bewohnerinnen Briefe - an die Ausländerbehörde, den zurückgelassenen Sohn in Guinea, den Geliebten - und erfährt das Glück des Zusammenhalts und die Magie dieses Hauses. Weil Solène anderen hilft, hat ihr Leben wieder einen Sinn. Doch wer war die Frau, die vor hundert Jahren allen Widerständen zum Trotz diesen Schutzort schuf? Solène beschliesst, die Geschichte der Begründerin Blanche Peyron aufzuschreiben.

Ein ergreifender Roman über mutige Frauen und ein Plädoyer für mehr Solidarität.

Laetitia Colombani: Das Haus der Frauen, S. Fischer, 256 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.06.2020


Buchcover: Die Bagage

Die Bagage

Josef Moosbrugger ist mit der wunderschönen Maria verheiratet, die von allen Männern begehrt wird. Die beiden leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin.

Schnörkellos und voller Poesie erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer Herkunft über drei Generationen und zwei Weltkriege hinweg.

Monika Helfer: Die Bagage, Hanser, 159 Seiten

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Buchtipp publiziert am 01.06.2020


Buchcover: Jahr ohne Winter

Jahr ohne Winter

Jakob Walter läuft nicht schneller, liebt nicht tragischer und ist nicht klüger als andere. Zum Helden taugt er nur in seinem Alltag. Bis ihn eines Tages ein unerwarteter Anruf erreicht: Ursula ist krank, sie braucht dringend eine Stammzellenspende, und er, Jakob, muss ihre Tochter Edith finden. Dass Edith seine Exfrau ist und dass er seit fünf Jahren kein Wort mit ihr gewechselt hat, ist das eine Problem. Das andere: Sie ist in Australien, um an einer Schweigemeditation im Outback teilzunehmen. Und: Das Outback ist gross, Australien ist weit weg, und Jakob Walter fliegt nicht gern. Aber wie jeder andere träumt er manchmal davon, ein Abenteurer zu sein – und wer weiss, vielleicht rettet er ja nicht nur das Leben seiner ehemaligen Schwiegermutter, sondern auch seine verflossene Liebe.

Es wäre ihm zu wünschen, denn liebenswert ist Jakob Walter, der Held wider Willen, unbedingt.

Lorenz Langenegger: Jahr ohne Winter, Jung & Jung, 160 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.05.2020


Buchcover: Kanalschwimmer

Kanalschwimmer

Dass er "zu sicher gelebt hat", begreift Charles mit Anfang 60, kurz vor seinem Ruhestand. Als seine Frau Maude ihm eröffnet, dass ein anderer Mann fortan das Haus mit ihnen teilen soll, setzt er ihrem Traum zunächst einen eigenen entgegen: einmal im Leben durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Das Wasser – stark, anziehend, gefahrvoll – verändert Charles’ Sicht auf sein Leben: auf die drei Sommer der Liebe in den Siebzigern, menschliche Leidenschaften, gescheiterte Utopien.

Mit beeindruckender poetischer und psychologischer Intensität, sinnlich und humorvoll erzählt Ulrike Draesner die Geschichte einer Kanalüberquerung, die äussere wie innere Grenzen testet. Ein Aufbruch im Alter, ist das möglich? Gelten die frühen Ideale noch – oder wieder? Der Kanal ist kalt, die Strömung mächtig. Am Ende wird Charles klar, dass er nicht über seinen Schatten springen muss. Er kann ihn durchschwimmen.

Ulrike Draesner: Kanalschwimmer, Mare, 176 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.05.2020


Buchcover: Hier sind Löwen

Hier sind Löwen

"Dikranian. Abovyan. Petrosian. Mazavian. Mein Nachname war plötzlich in phonetischer Gesellschaft. Bisher hatte ich ihn getragen wie ein unpassendes Kleidungsstück, wie einen verbeulten Hut, den ich auch zum Essen nicht abnahm."

1915: Die alte Bibel einer armenischen Familie an der Schwarzmeerküste ist das Einzige, was den Geschwistern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht bleibt. Hundert Jahre später in Jerewan wird der jungen deutschen Restauratorin Helen, die armenische Vorfahren hat, eine Bibel anvertraut. »Hrant will nicht aufwachen«, hat jemand an den Rand einer Seite gekritzelt. Helen taucht ein in die Rätsel des alten Buches, in das moderne Armenien. Und sie bricht auf zu einer Reise an die Schwarzmeerküste und zur anderen Seite des Ararat.

Es ist eine Familiengeschichte, eine Geschichte vom Exil, vom Verlorengehen und vom Schmerz, der Generationen später noch nachhallt.

Katerina Poladjan: Hier sind Löwen, S. Fischer, 287 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.04.2020


Buchcover: Die Letzten ihrer Art

Die Letzten ihrer Art

In ihrem neuen Buch erzählt Maja Lunde von Mensch und Tier, vom Tier im Menschen und von Wildpferden und vom Bemühen der Menschen, das Aussterben dieser Tierart zu verhindern.
St. Petersburg 1881: der Zoologe Michail versucht eines dieser äußerst seltenen Tiere als Attraktion für seinen Tiergarten zu bekommen. Mongolei 1992: Die Tierärztin Karin arbeitet an dem anspruchsvollen Forschungsprojekt, eine Herde von Wildpferden wieder in die freie Wildbahn zu entlassen. Norwegen 2064: Eva und ihre Tochter Isa kämpfen ums Überleben nach dem Klimakollaps, und sie versuchen, die beiden letzten Wildpferde zu retten.
Ein bewegender Roman über Freiheit und Verantwortung, die grosse Gemeinschaft der Lebewesen und die alles entscheidende Frage: Reicht ein Menschenleben, um die Welt für alle zu verändern?

Maja Lunde: Die Letzten ihrer Art, btb, 636 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 01.04.2020


Buchcover: Eine Familie

Eine Familie

Ein Tag des Glücks für Danielle und Olivier, könnte man denken, an dem ihre Tochter Lou ein Kind zur Welt bringt. Die ganze Familie kommt in Bordeaux zusammen. Allein, der älteste Bruder fehlt, und sein Schatten ist mächtig. Romain, einst verträumtes Kind, der sich rührend um seine Geschwister kümmerte, trank sich schon als Jugendlicher ins Koma. Alle verwickelte er sie in ein Lügennetz, bis er fortging und in Paris auf der Strasse landete. Nun ist er wieder in der Gegend, beteuert, sein Leben endlich in die Hand zu nehmen, als ein Anruf die aufkeimende Hoffnung zunichte macht. Pascale Kramer legt in ihrem Roman die Gefühle jedes einzelnen für den so geliebten wie gehassten Sohn und Bruder frei. Im Moment der Geburt der kleinen Jeanne untergraben Schuldgefühle, Trauer, Wut und Sorge das Schweigen und das Nie-Gesagte. Das neuralgische Konstrukt einer Familie gerät ins Wanken.

Pascale Kramer: Eine Familie, Rotpunktverlag, 192 Seiten

Foto: Orellfuessli.ch

Buchtipp publiziert am 15.03.2020


Reguläre Öffnungszeiten

Dienstag: 15.30 Uhr - 17.30 Uhr
Donnerstag: 17.00 Uhr - 19.00 Uhr
Samstag 09.30 Uhr - 11.30 Uhr

 

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Donnerstag: 17.00 Uhr - 19.00 Uhr

Ferienplan auf der Webseite der Schule Lichtensteig