Buchtipps der Städtli-Bibliothek

 

Aktueller Buchtipp:

Buchcover: Dankbarkeiten

Dankbarkeiten

Michka, die stets ein unabhängiges Leben geführt hat, muss feststellen, dass sie nicht mehr allein leben kann. Geplagt von Albträumen glaubt sie ständig, wichtige Dinge zu verlieren. Tatsächlich verliert sie nach und nach Wörter, findet die richtigen nicht mehr und ersetzt sie durch ähnlich klingende. Die junge Marie, um die Michka sich oft gekümmert hat, bringt sie in einem Seniorenheim unter. Der alten Frau fällt es schwer, sich in der neuen Ordnung einzufinden. In hellen Momenten leidet sie unter dem Verlust ihrer Selbstständigkeit. Doch was Michka am meisten beschäftigt, ist die bisher vergebliche Suche nach einem Ehepaar, dem sie ihr Leben zu verdanken hat. Daher gibt Marie erneut eine Suchanzeige auf, und Michka hofft, ihre tiefe Dankbarkeit endlich übermitteln zu können.

Klarsichtig und scharfsinnig zeigt Delphine de Vigan, was uns am Ende bleibt: Zuneigung, Mitgefühl, Dankbarkeit.

Delphine de Vigan: Dankbarkeiten, DUMONT Verlag, 176 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.09.2020


Bisherige Buchtipps:

Buchcover: Klara vergessen

Klara vergessen

Murmansk, nördlich des Polarkreises. Zum ersten Mal kehrt Juri, der längst als Ornithologe in Nordamerika lebt, in seine Heimat zurück. Sein Vater Rubin liegt im Sterben, lediglich das Rätsel um Juris Grossmutter Klara – eine Wissenschaftlerin zur Zeit Stalins, die vor den Augen des damals vierjährigen Rubin verhaftet wurde – hält ihn am Leben. Klaras Verschwinden und eine Jugend voller Entbehrungen haben aus Rubin einen unerbittlichen Fischer und hartherzigen Vater gemacht, der seinen ungeliebten Sohn nun in einem letzten Aufeinandertreffen um Hilfe bittet: Er soll herausfinden, was mit Klara passiert ist. Und schliesslich stösst Juri auf eine Wahrheit, die ihm vor Augen führt, wie eng alle drei Schicksale – sein eigenes, Klaras und Rubins – miteinander verknüpft sind …

Ein grosses menschliches Abenteuer und eine familiäre Spurensuche, voll von spektakulären Beschreibungen einer wilden Natur, packend erzählt von Bestsellerautorin Isabelle Autissier.

Isabelle Autissier: Klara vergessen, Mare, 304 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.09.2020


Buchcover: Ein Lied für die Vermissten

Ein Lied für die Vermissten

Als 2011 der Arabische Frühling voll entfacht ist, löst der Fund zweier Leichen auch in Beirut erste Unruhen aus. Während schon Häuser brennen, schreibt Amin seine Erinnerungen nieder: an das Jahr 1994, als er als Jugendlicher mit seiner Grossmutter in den Libanon zurückkehrte – zwölf Jahre nach dem Tod seiner Eltern. An seine Freundschaft mit dem gleichaltrigen Jafar, mit dem er diese verschwiegene Nachkriegswelt durchstreifte. Und daran, wie er schmerzhaft lernen musste, dass es in diesem Land nie Gewissheit geben wird – weder über die Vergangenheit seines Freundes, noch über die Geschichte seiner Familie.

Jarawans Roman führt in eine Welt voller unvergesslicher Figuren, sinnlicher Eindrücke und Emotionen, einfühlsam, spannend und virtuos verknüpft mit dem Leben in den unterschiedlichen Kulturen und der bewegten Geschichte des Nahen Ostens.

Pierre Jarawan: Ein Lied für die Vermissten, Berlin Verlag, 464 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.08.2020


Buchcover: Der Wal und das Ende der Welt

Der Wal und das Ende der Welt

Ein kleiner Ort in Cornwall und eine grosse Geschichte über die Menschlichkeit im Angesicht einer alles bedrohenden Krise. Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

John Ironmonger erzählt eine mitreissende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Zusammenhänge unserer globalisierten Welt? Und wie können wir handeln, wenn alles auf dem Spiel steht?

John Ironmonger: Der Wal und das Ende der Welt, S. Fischer, 480 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.08.2020


Buchcover: Rote Kreuze

Rote Kreuze

Die über neunzigjährige Tatjana Alexejewna leidet an Alzheimer und lebt in einer Mietskaserne in der weissrussischen Hauptstadt Minsk. Sie erzählt ihrem Nachbarn, dem dreissigjährigen Alexander, ihre Lebensgeschichte.Tatjana hatte während des Zweiten Weltkriegs als Sekretärin im sowjetischen Aussenministerium Kenntnis von den Bemühungen des Roten Kreuzes in Genf, sowjetische und deutsche Kriegsgefangene auszutauschen.

Die Sowjetregierung lehnte dies stets ab. Dieses Wissen wurde Tatjana nach dem Krieg zum Verhängnis: Sie geriet ins Visier der stalinistischen Terrormaschinerie. Mehr und mehr zeigt sich, dass zwischen Tatjana und dem viel jüngeren Alexander eine Seelenverwandtschaft besteht: Auch ihn quälen leidvolle Erinnerungen.

Sasha Filipenkos Roman ist ein subtiles Werk über den Umgang mit unbewältigten Traumata und den Kampf gegen das Verdrängen der Geschichte – und ist
hochaktuell.

Sasha Filipenko: Rote Kreuze, Diogenes, 288 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.07.2020


Buchcover: Wie wir gehen

Wie wir gehen

Mona steht mitten im Leben. Von Pierre hat sie sich getrennt, ihre Tochter Noëlle geht zunehmend eigene Wege. Ganz am Anfang hingegen ist die Beziehung zu ihrem Vater Johannes. Sie möchte ihrem kranken Vater näherkommen. Doch die Leere zwischen ihnen macht sie einander fremd. Daher bittet sie ihn, seine Geschichte auf ein Diktiergerät zu sprechen. Mit präziser Erzählkunst wird ein weiter Bogen gespannt, von Johannes‘ Kindheit, in der er als Verdingbub auf dem Bauernhof seines Onkels schuftet, bis in die Gegenwart, in der seine Tochter sich ihm behutsam annähert.

Andreas Neeser erzählt davon, was Söhne und Töchter mit ihren Vätern verbindet – und was sie voneinander trennt. Dabei spürt er dem widersprüchlichen Streben nach echter Zugehörigkeit nach.

Ein feinsinniger Familien- und Generationenroman: leise und voll poetischer Kraft.

Andreas Neeser: Wie wir gehen, Haymon, 216 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.07.2020


Buchcover: Das Haus der Frauen

Das Haus der Frauen

In Paris steht ein Haus, das allen Frauen dieser Welt Zuflucht bietet. Auch der erfolgreichen Anwältin Solène, die nach einem Zusammenbruch ihr Leben in Frage stellt. Sie versucht dort, wieder Fuß zu fassen: Im »Haus der Frauen« schreibt sie ehrenamtlich im Auftrag der Bewohnerinnen Briefe - an die Ausländerbehörde, den zurückgelassenen Sohn in Guinea, den Geliebten - und erfährt das Glück des Zusammenhalts und die Magie dieses Hauses. Weil Solène anderen hilft, hat ihr Leben wieder einen Sinn. Doch wer war die Frau, die vor hundert Jahren allen Widerständen zum Trotz diesen Schutzort schuf? Solène beschliesst, die Geschichte der Begründerin Blanche Peyron aufzuschreiben.

Ein ergreifender Roman über mutige Frauen und ein Plädoyer für mehr Solidarität.

Laetitia Colombani: Das Haus der Frauen, S. Fischer, 256 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.06.2020


Buchcover: Die Bagage

Die Bagage

Josef Moosbrugger ist mit der wunderschönen Maria verheiratet, die von allen Männern begehrt wird. Die beiden leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin.

Schnörkellos und voller Poesie erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer Herkunft über drei Generationen und zwei Weltkriege hinweg.

Monika Helfer: Die Bagage, Hanser, 159 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.06.2020


Buchcover: Jahr ohne Winter

Jahr ohne Winter

Jakob Walter läuft nicht schneller, liebt nicht tragischer und ist nicht klüger als andere. Zum Helden taugt er nur in seinem Alltag. Bis ihn eines Tages ein unerwarteter Anruf erreicht: Ursula ist krank, sie braucht dringend eine Stammzellenspende, und er, Jakob, muss ihre Tochter Edith finden. Dass Edith seine Exfrau ist und dass er seit fünf Jahren kein Wort mit ihr gewechselt hat, ist das eine Problem. Das andere: Sie ist in Australien, um an einer Schweigemeditation im Outback teilzunehmen. Und: Das Outback ist gross, Australien ist weit weg, und Jakob Walter fliegt nicht gern. Aber wie jeder andere träumt er manchmal davon, ein Abenteurer zu sein – und wer weiss, vielleicht rettet er ja nicht nur das Leben seiner ehemaligen Schwiegermutter, sondern auch seine verflossene Liebe.

Es wäre ihm zu wünschen, denn liebenswert ist Jakob Walter, der Held wider Willen, unbedingt.

Lorenz Langenegger: Jahr ohne Winter, Jung & Jung, 160 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.05.2020


Buchcover: Kanalschwimmer

Kanalschwimmer

Dass er "zu sicher gelebt hat", begreift Charles mit Anfang 60, kurz vor seinem Ruhestand. Als seine Frau Maude ihm eröffnet, dass ein anderer Mann fortan das Haus mit ihnen teilen soll, setzt er ihrem Traum zunächst einen eigenen entgegen: einmal im Leben durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Das Wasser – stark, anziehend, gefahrvoll – verändert Charles’ Sicht auf sein Leben: auf die drei Sommer der Liebe in den Siebzigern, menschliche Leidenschaften, gescheiterte Utopien.

Mit beeindruckender poetischer und psychologischer Intensität, sinnlich und humorvoll erzählt Ulrike Draesner die Geschichte einer Kanalüberquerung, die äussere wie innere Grenzen testet. Ein Aufbruch im Alter, ist das möglich? Gelten die frühen Ideale noch – oder wieder? Der Kanal ist kalt, die Strömung mächtig. Am Ende wird Charles klar, dass er nicht über seinen Schatten springen muss. Er kann ihn durchschwimmen.

Ulrike Draesner: Kanalschwimmer, Mare, 176 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.05.2020


Buchcover: Hier sind Löwen

Hier sind Löwen

"Dikranian. Abovyan. Petrosian. Mazavian. Mein Nachname war plötzlich in phonetischer Gesellschaft. Bisher hatte ich ihn getragen wie ein unpassendes Kleidungsstück, wie einen verbeulten Hut, den ich auch zum Essen nicht abnahm."

1915: Die alte Bibel einer armenischen Familie an der Schwarzmeerküste ist das Einzige, was den Geschwistern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht bleibt. Hundert Jahre später in Jerewan wird der jungen deutschen Restauratorin Helen, die armenische Vorfahren hat, eine Bibel anvertraut. »Hrant will nicht aufwachen«, hat jemand an den Rand einer Seite gekritzelt. Helen taucht ein in die Rätsel des alten Buches, in das moderne Armenien. Und sie bricht auf zu einer Reise an die Schwarzmeerküste und zur anderen Seite des Ararat.

Es ist eine Familiengeschichte, eine Geschichte vom Exil, vom Verlorengehen und vom Schmerz, der Generationen später noch nachhallt.

Katerina Poladjan: Hier sind Löwen, S. Fischer, 287 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.04.2020


Buchcover: Die Letzten ihrer Art

Die Letzten ihrer Art

In ihrem neuen Buch erzählt Maja Lunde von Mensch und Tier, vom Tier im Menschen und von Wildpferden und vom Bemühen der Menschen, das Aussterben dieser Tierart zu verhindern.
St. Petersburg 1881: der Zoologe Michail versucht eines dieser äußerst seltenen Tiere als Attraktion für seinen Tiergarten zu bekommen. Mongolei 1992: Die Tierärztin Karin arbeitet an dem anspruchsvollen Forschungsprojekt, eine Herde von Wildpferden wieder in die freie Wildbahn zu entlassen. Norwegen 2064: Eva und ihre Tochter Isa kämpfen ums Überleben nach dem Klimakollaps, und sie versuchen, die beiden letzten Wildpferde zu retten.
Ein bewegender Roman über Freiheit und Verantwortung, die grosse Gemeinschaft der Lebewesen und die alles entscheidende Frage: Reicht ein Menschenleben, um die Welt für alle zu verändern?

Maja Lunde: Die Letzten ihrer Art, btb, 636 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.04.2020


Buchcover: Eine Familie

Eine Familie

Ein Tag des Glücks für Danielle und Olivier, könnte man denken, an dem ihre Tochter Lou ein Kind zur Welt bringt. Die ganze Familie kommt in Bordeaux zusammen. Allein, der älteste Bruder fehlt, und sein Schatten ist mächtig. Romain, einst verträumtes Kind, der sich rührend um seine Geschwister kümmerte, trank sich schon als Jugendlicher ins Koma. Alle verwickelte er sie in ein Lügennetz, bis er fortging und in Paris auf der Strasse landete. Nun ist er wieder in der Gegend, beteuert, sein Leben endlich in die Hand zu nehmen, als ein Anruf die aufkeimende Hoffnung zunichte macht. Pascale Kramer legt in ihrem Roman die Gefühle jedes einzelnen für den so geliebten wie gehassten Sohn und Bruder frei. Im Moment der Geburt der kleinen Jeanne untergraben Schuldgefühle, Trauer, Wut und Sorge das Schweigen und das Nie-Gesagte. Das neuralgische Konstrukt einer Familie gerät ins Wanken.

Pascale Kramer: Eine Familie, Rotpunktverlag, 192 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.03.2020


Buchcover: Graue Bienen

Graue Bienen

Graue Bienen

Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schiessen. Er überlebt nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten. Ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung und wunderbare Produktivität. Eines Frühlings bricht er auf: Er will die Bienen in eine Gegend bringen, wo sie wieder in Ruhe Nektar sammeln können.

Der Roman gibt einen tiefen Einblick in ein vom Krieg bedrohtes Leben. Ein literarischer Roman über die Schrecknisse des Krieges in der Ukraine, der hierzulande schon fast vergessen ist.

Andrej Kurkow: Graue Bienen, Diogenes, 416 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.03.2020


Buchcover: Laufen

Laufen

Eine Ich-Erzählerin wird nach einem erschütternden Verlust aus der Bahn geworfen und beginnt mit dem Laufen. Schnell wird klar, dass es nicht nur um ein gesünderes oder gar leichteres Leben geht. Durch ihre Augen und ihre mäandernden Gedanken erfährt man nach und nach, warum das Laufen ein existenzielles Bedürfnis für sie ist. Wie wird man mit einem Verlust fertig? Welche Rolle spielen Freunde und Familie? Welche Rolle spielt die Zeit? Und der Beruf? Schritt für Schritt erobert sich die Erzählerin die Souveränität über ihr Leben zurück. Isabel Bogdan beschreibt mit grossem Einfühlungsvermögen und einem ganz anderen Ton den Weg einer Frau, die nach langer Zeit der Trauer wieder Mut fasst und ihren Lebenshunger und Humor zurückgewinnt.

Isabel Bogdan: Laufen, Kiepenheuer & Witsch, 208 Seiten

 

 

Buchtipp publiziert am 15.02.2020


Buchcover: Marzahn, mon amour

Marzahn, mon amour

Geschichten einer Fusspflegerin

Katja Oskamp ist Mitte vierzig, als ihr das Leben fad wird. Das Kind ist aus dem Haus, der Mann ist krank, die Schriftstellerei, der sie sich bis dahin gewidmet hat: ein Feld der Enttäuschungen. Also macht sie etwas, was für andere dem Scheitern gleichkäme: Sie wird Fusspflegerin in Berlin-Marzahn, einst das grösste Plattenbaugebiet der DDR. Und schreibt auf, was sie dabei hört – Geschichten wie die von Herrn Paulke, vor vierzig Jahren einer der ersten Bewohner des Viertels, Frau Guse, die sich im Rückwärtsgang von der Welt entfernt, oder Herrn Pietsch, dem Ex-Funktionär mit der karierten Schiebermütze. Geschichten voller Menschlichkeit und Witz, Wunderwerke über den Menschen an sich – von seinen Füssen her betrachtet.

Katja Oskamp: Marzahn, mon amour, Hanser, 144 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.02.2020


Buchcover: Die Glocke am See

Die Glocke am See

Kai Schweigaard hat soeben die kleine Pfarrei mit der 700 Jahre alten Stabkirche in Butangen übernommen. Die würde er gerne abreissen und durch eine modernere, grössere Kirche ersetzen. Der begabte Architekturstudent Gerhard Schönauer aus Dresden soll den Abtransport der Kirche nach Dresden und den Aufbau dort überwachen. Astrid rebelliert, denn mit der Kirche würden auch die beiden Glocken verschwinden, die einer ihrer Vorfahren einst der Kirche gestiftet hat. Man sagt ihnen übernatürliche Kräfte nach und dass sie von selbst läuten, wenn ein Unglück bevorsteht.
Astrid verliebt sich in diesen Gerhard, der so anders als die jungen Männer in Butangen und muss sich entscheiden: Heimat und Pfarrer oder Aufbruch in eine ungewisse Zukunft in Deutschland. Da hört sie auf einmal die Glocken läuten ...

Mytting erzählt eine melancholische Liebesgeschichte, verknüpft mit einer historischen Geschichte von archaischer Kraft.

Lars Mytting: Die Glocke im See, Insel Verlag GmbH, 482 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.01.2020


Buchcover: Das Geburtstagsfest

Das Geburtstagsfest

Zu seinem 50. Geburtstag wollen die drei Kinder von Kim Mey ihren Vater mit einem besonderen Gast auf der Familien-Geburtstagsfeier überraschen: Ohne sein Wissen haben sie Tevi Gardiner eingeladen, jene Frau, mit der Kim als Kind aus Kambodscha geflohen ist. Und die er seit 25 Jahren nicht mehr gesehen hat. Doch statt sich, wie erwartet, zu freuen, reagiert Kim seltsam abweisend. Auch Ines, die Mutter der drei, begegnet Tevi unterkühlt. Was Kim und Ines jahrzehntelang verschwiegen haben, verschafft sich nun unaufhaltsam Gehör: die wahren Begleitumstände jener dramatischen Flucht aus Kambodscha und das schreckliche Ende einer grossen Liebe. Eine scheinbar harmlose Überraschung lässt ein Geburtstagsfest in einer Katastrophe enden.
Der Roman beleuchtet die grossen Wendepunkte im Leben, kreist um Familien-Beziehungen und Lebenslügen, die grosse Liebe und um Flucht und Heimkehr.

Judith W. Taschler: Das Geburtstagsfest, Droemer, 350 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.01.2020


Buchcover: Langsame Jahre

Langsame Jahre

Ein achtjähriger Junge wird mit einem kleinen Koffer in der einen und zwei lebenden Hühnern in der anderen Hand zu Verwandten geschickt. In seinem baskischen Heimatdorf herrscht grosse Armut, die Eltern können den Jüngsten nicht mehr ernähren. In San Sebastián erwartet ihn eine typisch baskische Familie der sechziger Jahre: Die Tante hat das Sagen, ihr Mann kriegt den Mund nicht auf. Die Cousine und der Cousin suchen auf verschiedene Weisen neue Freiheiten, von denen die Eltern nichts wissen. Der Junge beobachtet mit den staunenden Augen eines Kindes, wie mühevoll es ist, sich von Konventionen zu befreien und seinen eigenen Weg zu finden. Doch als er seine Chance bekommt, nutzt er sie.
Ein Buch über das Schicksal eines Jungen, das einem ans Herz geht und das gleichzeitig viel darüber preisgibt, wie wir zu dem werden, was wir sind.

Fernando Aramburu: Langsame Jahre, Rowohlt, 208 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.12.2019


Buchcover: Ein Hummerleben

Ein Hummerleben

Sedd wächst bei seinen Grosseltern in einem Hotel hoch oben im norwegischen Fjell in den 1980er-Jahren auf. Über seinen Vater weiss er nicht viel, die Mutter ist verschollen. Liebevoll, aber bestimmt wird er von den Grosseltern – der Grossvater ist nebenbei Tierpräparator, die Grossmutter stammt aus Wien – auf seine Rolle als künftiger Hotelerbe vorbereitet. Er hilft als Laufbursche, Küchenjunge und Tourenbetreuer aus und verinnerlicht den Leitsatz »Jeder einzelne Gast zählt« bereits im zarten Kindesalter. Zufluchtsort ist für ihn die Grossküche des Hotels, in der der ehemalige Seefahrer Jim schaltet und waltet und für Sedd Vater, Mutter und Freund zugleich ist, wenn die Grosseltern keine Zeit für ihn haben. Doch spätestens, als der Bankdirektor Berg bei einem Essen stirbt, zeigen sich erste Risse in der vermeintlichen Idylle.
Ein Roman über den 13-jährigen Sedd, eine Geschichte über Lügen und Geheimnisse, falsche Erwartungen und grosselterliche Liebe.

Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben, Kiepenheuer & Witsch, 384 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.12.2019


Buchcover: Genau richtig

Genau richtig

Albert hat eine schlimme Diagnose von seiner Ärztin und ehemaligen Geliebten erhalten. Während seine Frau Eirin auf einem Kongress ist, fährt er allein in die einsame Ferienhütte an einem Waldsee: Soll er sein Leben selbst beenden, bevor es die tödliche Krankheit tut? Um mit sich selbst ins Reine zu kommen, schreibt er in das Hüttenbuch. Er erzählt, wie er Eirin kennenlernte und wie sie als jung Verliebte in das Märchenhaus einbrachen, das sie später gekauft haben. Wie seine Ehe zu kriseln begann, welche Rolle Sohn und Enkelin für ihn spielen und von seiner Begeisterung für die Astrophysik. Es wird eine lange Nacht, bis irgendwann ein Boot ruderlos auf dem See treibt und ein Fremder erscheint.
Was ist das Wichtigste im Leben? Und was genau richtig?

Jostein Gaarder: Genau richtig, Hanser, 128 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.11.2019


Buchcover: Wolgakinder

Wolgakinder

Jakob Bach ist 1916 Schulmeister in Gnadental, einem deutschen Dorf am Ufer der Wolga, um das die Zeitläufte keinen Bogen machen. Als er Klara, die Tochter eines reichen Bauern unterrichten soll, findet er in ihr die Liebe seines Lebens. Aber dann wird Klara vergewaltigt und stirbt bei der Geburt des Kindes. Unter schwierigsten Umständen zieht Bach Annchen allein gross. Doch die Politik aus Moskau macht vor den Dörfern der Wolgarepublik nicht Halt, und er, der nach Klaras Tod die Sprache verloren hat, vermag seine Tochter nicht an sich zu binden, die Kind einer neuen Zeit ist und den Verheissungen der Sowjets folgt … Gusel Jachinas grosser Roman erzählt anhand dem Schicksal berührender Figuren die Geschichte der Wolgadeutschen.

Jachina Gusel: Wolgakinder; Aufbau, 591 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.11.2019


Buchcover: Unhaltbare Zustände

Unhaltbare Zustände

Die sieben grossen Schaufenster werden feierlich enthüllt – und lassen die Waren des alteingesessenen Quatre Saisons in neuem Glanz erstrahlen. Für diese Momente lebt und arbeitet Schaufensterdekorateur Stettler schon mehrere Jahrzehnte. Nun, mit knapp sechzig, wird ihm überraschend ein jüngerer Kollege zur Seite gestellt – ein Rivale, ein avisierter Nachfolger, ein Feind!
Stettlers Welt beginnt zu bröckeln. Es ist das Jahr 1968, und es bröckelt auch sonst alles. Am Münsterturm hängt auf einmal eine Vietcong-Fahne. Stettler ist entsetzt. Immer mehr fühlt er sich bedroht, spioniert dem Rivalen sogar nach, sinnt auf Rache. Es ist auch ein zähes Ringen mit dem Alter, bei dem Stettler nur verlieren kann.
Allein mit einer von ihm bewunderten Radiopianistin wechselt er Briefe und fühlt sich nicht so verloren. Er hofft sogar auf eine Begegnung …
Ein Roman über einen, der sich gegen den Wandel der Zeiten auflehnt und dabei ins Wanken gerät.

Alain Claude Sulzer: Unhaltbare Zustände, Galiani, 272 Seiten

Buchtipp publiziert am 15.10.2019


Buchcover: Allein oder mit andern

Allein oder mit andern

Für einige Monate ist Annabelle nach Kopenhagen gereist und probt dort ein anderes Leben. Sie besucht einen Englischkurs, wo sie die junge Berlinerin Rose kennen lernt. Daneben schreibt sie Briefe, an ihre Schwester Alice, die den Sohn verloren hat, an ihren norwegischen Freund Ólafur und an ihre drei erwachsenen Töchter. Besonders um Cora, die Jüngste, die noch nicht Fuss gefasst hat im Leben, drehen sich Annabelles Gedanken oft. Zur Ruhe kommt sie nur, wenn sie ihr Material am langen Tisch in der Gastwohnung ausbreitet und sich in ihre Collagen vertieft. Schneidend und zusammenfügend, verschiebend, schichtend und klebend kommt sie allmählich dem eigenen Familiengefüge auf die Spur. Dabei hilft ihr ausgerechnet die freakige Rose, die schonungslos die richtigen Fragen stellt.
Theres Roth-Hunkeler zeichnet das Porträt einer Familie, in der sich Rollen verschieben und Besetzungen ändern.

Theres Roth-Hunkeler: Allein oder mit andern, Edition Bücherlese, 317 Seiten

Buchtipp publiziert am 01.10.2019


Reguläre Öffnungszeiten

Dienstag: 15.30 Uhr - 17.30 Uhr
Donnerstag: 18.30 Uhr - 20.30 Uhr
Samstag 09.30 Uhr - 11.30 Uhr

 

Öffnungszeiten während Schulferien

Donnerstag: 18.30 Uhr - 20.30 Uhr

Ferienplan auf der Webseite der Schule Lichtensteig